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Evemarie Haupt
Stimmtrainerin und Autorin, Logopädische Praxis
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Titel: Machtfaktor Stimme: Horchen, spüren, schauen - dann reden (208 kB)
AutorIn: Bettina Benesch
Machtfaktor Stimme: Horchen, spüren, schauen - dann reden

Die Stimme, das unbekannte Wesen. Zwei Tage Stimm-Seminar mit Arno Fischbacher bescheren den einen oder anderen Aha-Effekt. Und die Erkenntnis: Stimme ist Macht.

Wirtschaftsblatt
10.06.2006

Wer an Stimmtraining denkt, denkt nicht zwingend an Bewegung oder an bewusste Wahrnehmung. Tatsächlich sind sie aber Schlüssel zum vollen Stimmklang. So erlebt in zwei Tagen Voice Awareness-Seminar des Salzburger Stimmtrainers Arno Fischbacher, der Stimmarbeit mit Psycholinguistik und Wahrnehmungslehre verknüpft. Stimmvolumen und Klang entscheiden demnach über Erfolg oder Fehlschlag.

Fischbacher unterstreicht diese Aussage mit drei oft zitierten Zahlen: 38-55-7: In den 1970ern stellte der Sozialpsychologe Albert Mehrabian fest, dass die Wirkung einer Botschaft zu 38 Prozent von der Tonart abhängt, zu 55 Prozent von der visuellen Wahrnehmung und zu sieben Prozent vom Inhalt. Man kann über diese Zahlen streiten, fest steht: Der Ton macht die Musik. Wer zwei Tage mit dem Trainer verbringt, spürt, horcht, schaut und spricht bewusst. Und wird dadurch für seine Zuhörer präsent.

Bewegung ist Stimme

Erste Lektion: Bewegung ist Stimme. Es geht um den "Standpunkt", um die ideale Haltung während des Sprechens. Man kennt das aus einschlägigen Seminaren: Im Stehen die Knie leicht beugen, Becken vorschieben, Schultern und Nacken sind locker und gerade. Am Oberkopf die Anmutung eines elastischen Fadens, der nach oben zieht. Man nimmt den Boden wahr, die Atmung. Alles schwingt und ist locker. Und es wirkt: Die Stimme verändert sich, wird voller. "Das menschliche Ohr verstärkt Frequenzen zwischen 2000 und 3500 Hertz", sagt Fischbacher. Stimmvolumen schafft Gehör. "Viele Alltagsstimmen klingen stark zwischen 100 und 2000 Hertz und bieten dem Ohr wenig zum Verstärken. Bewegung bringt Zuwachs an Obertönen."

Zweite Lektion: Stimme ist Macht. "In dem Moment, in dem Sie in der Kommunikation führen, üben Sie über Ihre Gesprächspartner biologische Macht aus", sagt Fischbacher. Herzschlag, Atmung, Muskeltonus oder Gehirnpulse werden beeinflusst. Diese Macht entsteht aus bewusster Wahrnehmung. Soll heissen: den Boden unten den Füßen spüren, Stimmen außerhalb des Raums hören, Blickkontakt mit den Zuhörern aufnehmen. "Wer seine Wahrnehmung auf eine Sache richtet, wird langsamer und das lenkt die Aufmerksamkeit der anderen auf sich. Kontrollieren Sie: Habe ich die Macht? Dann legen Sie los!" Das erste Wort folgt, wird ganz bewusst in den Raum gesetzt. Kurze Pause, Nachhall hören, sprechen. Für den Ernstfall trainiert wird regelmässig im Alltag, beim Betreten von Räumen, im Gespräch mit Freunden, "nie im Wettkampf", rät Fischbacher, "Suchen Sie sich einen Anker im Alltag. Haben Sie Spass."Wer Fischbachers Seminar in der Erwartung bucht, zwei Tage lang Tonleitern zu trällern, wird enttäuscht sein. Ums Sprechen selbst geht es weniger als ums Wahrnehmen. Wer an seiner Präsenz feilen möchte, ist am richtigen Ort.

Voice Awareness ist eine Mischung aus Rhetorik-Seminar, Körper- und Stimmschulung, psychologischem und anatomischem Laienwissen. Eine Kombination, die von allen zwölf Teilnehmern positiv bewertet wurde. Auch nach morgendlichem Gruppentanz und Mobilisieren von Körperteilen, die nicht primär mit Stimme in Verbindung stehen. Als Teilnehmer kratzt man mitunter an der eigenen Peinlichkeitsgrenze. Ein Nachteil ist das nicht zwingend. Symposium "Karrierefaktor Stimme". Welchen Stellenwert haben Stimme und Sprache im Beruf? Beeinflusst Stimmtraining die Karriere? Diese Fragen sollen bei der Tagung "Karrierefaktor Stimme" im Rahmen des VII. Intern. Voice Symposiums am 4. August in St. Virgil (S) beantwortet werden. Auch eine Studie zum Karrierefaktor Stimme wird präsentiert.

Autorin: Bettina Benesch
Hervorhebungen: stimme.at

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