Stimme im Winter

Mag. art. Hannes Tropper

Stimmpädagoge, Sprecherzieher, AAP-Trainer

 Wie komme ich mit einer gesunden Stimme über den Winter

 

 

Ist heiser sinnlich?

Der Kehlkopf ist in der kalten Jahreszeit besonders den Umwelteinflüssen ausgesetzt. Im Inneren des Kehlkopfes müssen viele Muskeln zusammenspielen, damit die Stimme klingen kann. Schleimhäute bedecken nicht nur den Nasen- und Rachenraum, sondern auch die Kehlkopfinnenseite. Nun ist kalte Luft im Winter sehr trocken und auch in den Räumen sinkt die Luftfeuchtigkeit durch die Zentralheizung. Die Auswirkungen auf das wertvollste Instrument des Menschen, die Stimme, werden dabei oft vergessen. Die Schleimhäute trocknen aus, sie können sich nicht mehr gut regenerieren, Bakterien nisten sich ein, eine Halsentzündung kann beginnen.

Trinken kann man lernen!

Wie können Sie vorbeugen? Bekommt der Körper genug Flüssigkeit, kommen die Schleimhäute mit der trockenen Luft besser zurecht. Trinken sie genug? Die Empfehlung lautet: 2,5 – 3 Liter pro Tag! Dabei ist die Flüssigkeitsaufnahme bei Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffe und das sogenannte „Abend-Bier“ zu wenig. Vor allem bei Vielsprechern (z.B. Lehrer, Trainer, Schauspieler, Profisprecher) oder Sängern braucht der Hochleistungsgenerator Kehlkopf „Schmiermittel“ – aber auch für alle anderen ist die Versorgung des Stimmaparates mit ausreichend Flüssigkeit ein Thema. Denn Austrocknung bremst den Schwingungsablauf, die Folge: Überlastung. Das gilt auch für die Artikulation. Mit trockenem Mund spricht’s sich schlecht! Trinken kann man lernen! Das Wasserglas, die Thermoskanne, eine Trinkflasche gehören jetzt zur Grundausrüstung. Wasser sei bevorzugt, dann zuckerarme Fruchtsäfte, auch Tee.

(Türkisches) Dampfbad statt (tückischer) Sauna?

Achtung! Die Sauna trocknet ihre Schleimhäute aus. Während sie in der heißen, trockenen Luft der Sauna sitzen und atmen, dörren sie ihre Stimmlippen und die Schleimhäute bei jedem Atemzug aus. Da hilft der kurze Aufguss danach nichts. Wollen sie regenerieren, dann in einer Biosauna mit mindestens 60% Luftfeuchte oder im klassischen Dampfbad.
Zu Hause ist der Luftbefeuchter gefragt! Besonders im Schlafraum. Reinigen und desinfizieren sie jedoch ihr Gerät in den vom Hersteller empfohlenen Abständen gewissenhaft. Sie werden bemerken, dass sie in der Früh nicht mehr mit so einem klebrigen Mund aufwachen. Das offene Fenster im Winter hilft nichts. Es kommt nur kalte und trockene Luft in den Raum. So erreichen Sie die 60% Luftfeuchte, die im Sommer Standard ist, nie. Ein Hygrometer, das Sie z.B. beim Optiker kaufen können, zeigt Ihnen, wie trocken es im Zimmer ist. Profis tragen so etwas in der Jackentasche bei sich.

Wirkt Lutschbonbon oder Kautabak?

Was ist mit Zuckerl lutschen? Viele schwören auf verschiedenste Zuckerlarten. Natürlich, denn Schlucken bringt Entspannung für den Kehlkopf, da die Kehlkopfmuskulatur durch die Auf- und Abbewegung des Knorpelkomplexes massiert wird. Die süße Substanz des Zuckerls bringt jedoch nicht viel, ganz im Gegenteil, Zucker ist schädlich! Nicht nur für die Zähne, auch der Säure-Basen-Haushalt in der Mundhöhle wird empfindlich gestört. Lutschen sie Pastillen mit Mineralsalzen. Sie regen den Speichelfluss an, und die Salze helfen bei der Regeneration der Schleimhäute. Bekannt sind die EMSER- und ISLA-Pastillen. Vergessen Sie nicht, dazu viel zu trinken.

Infektmanagement und Vitaminspritze?

Sänger und Sprecher sollten ihr eigenes Infektmanagement haben, das zumindest fordert der deutsche Stimmarzt Dr. Matthias Weikert aus Regensburg, der dort die berühmten Domspatzen betreut. Doch nicht jeder ist es gewohnt, die Signale seines Körpers und vor allem des Stimmaparates genauzu bemerken. Daher hier ein paar Tipps für Sie in der erkältungsintensiven Zeit, wenn Sie Ihre Stimme dennoch ausreichend gebrauchen müssen und wollen:

  • Als allererstes: bitte Aspirin vermeiden! Durch den Blutverdünnungseffekt ist die Gefahr einer Stimmbandschleimhautblutung sehr groß, besonders, wenn die Stimme trotz Ermüdung belastet wird.
  • Vitamin C wird dagegen als Geheimtip unter Profis gehandelt. Es hilft bei der Vorbeugung gegen Virus- oder Bakterieninfektionen und steigert ganz allgemein das Abwehrsystem. Ein Mensch wird um so seltener krank und umso schneller wieder gesund wird, je mehr Vitamin C er zu sich nimmt. Während einer Krankheit muss der Körper 20- bis 40mal mehr Vitamin C geben als sonst, um die Gewebe damit zu sättigen. Da reicht die Menge, die wir über die normale Nahrung zu uns nehmen, nicht mehr aus. Abgesehen von den bekannten Vitamin-C-Lieferanten, können Sie reines Vitamin C (Ascorbinsäure) rezeptfrei in jeder Apotheke in Pulverform erhalten. Nehmen Sie zur Vorbeugung täglich eine Messerspitze davon in den Tee. Achtung: der Tee sollte nicht zu heiß sein, da Hitze das Vitamin zerstört! Süßen Sie mit Honig. Bei beginnenden Erkältungen erhöhen Sie die Dosis nach Bedarf. Vergessen Sie nicht zu trinken. Überschüssiges Vitamin C scheidet der Körper selbstregulierend über den Harn aus.

Homoöpathische Hausapotheke (nach Dr. Dieter Schaufler, Klosterneuburg)

Die „Homöopathische Hausapotheke für Menschen mit Stimme“ sollte gemeinsam mit dem Arzt der Homöopathie eingerichtet werden. Vor dem „Herumdoktern“ sei gewarnt. Hals- und Kehlkopfentzündungen können individuell unterschiedlich beginnen und reagieren. Hier einige Beispiele:

Halsentzündung: plötzlicher Beginn, Unruhe, Fieber, gebessert durch kalte Getränke – Aconitum / Beginn rechte Seite – Lycopodium /Beginn linke Seite, verschlimmert durch einengende Halsumschläge – Lachesis

Heiserkeit: Akute Heiserkeit mit Halsschmerzen und trockenem, bellendem Husten, der vom Hals ausgeht – Spongia / Heiserkeit ohne Schmerzen, ohne ersichtliche Ursache, möglicherweise mit beginnendem Schnupfen, Überanstrengung beim Singen und Sprechen – Arum triphyllum / Um wirkliche Heilerfolge zu erzielen, ist ein ausgebildeter Homöopath unerlässlich. Er wird bei seiner Diagnose auch die psychischen Symptome und den Menschentyp berücksichtigen.

Gurgelmittel: Benutzen Sie zuerst Natursubstanzen: Salbeitee, Eibischtee, Salzlösung (1 Liter warmes Wasser + 2 Teelöffel Kochsalz oder Bad Gleichenberger Salz dazugeben). Starke antiseptische Gurgelmittel können auch die gute Mundflora zerstören!

Inhalation: Bei Heiserkeit bringt Ihnen die Inhalation von salinischen Lösungen Linderung. Am besten mit dem Macholdschen Tascheninhalator, der in der Apotheke erhältlich ist (Kosten ca. 27,00 €). Ein technisches Zerstäubungsgerät ist besser, aber teurer und unhandlicher. Anbei findet sich für Sie das Inhalationsrezept des Salzburger Festspielarztes Dr. Josef Schlömicher : OP I – Tacholiquin 1% (10,0 ml), Prospan (10,0 ml), Dexpanthenol (0,05 ml), 0,9% NaCl oder Bad Gleichenberger Solelösung (ad 200ml) sechsmal, täglich inhalieren und den Inhalator in eine Tasse mit heißem Wasser tauchen.

Stimme im (heiß-/ kalten)Wickel?

Halswickel sind noch immer ein probates und wirksames Mittel. Üblicher Weise werden warme Halswickel verwendet. Der Standardwickel ist der Salzwickel. Lösen Sie in einem Gefäß mit wenig Wasser Kochsalz, bis eine gesättigte Lösung entsteht. Tauchen Sie ein Stofftaschentuch in die erwärmte Sole, drücken Sie es aus und legen Sie nun das Taschentuch um den Hals. Darüber schützt eine dünne Jausenfolie, damit der warme Schal, der den Wickel fixiert, nicht nass wird. Und dann ab ins Bett! Wenn Sie Glück haben, sind Sie am nächsten Morgen die Halsschmerzen los. Falls Ihnen die Enge oder Wärme des Wickels nicht behagt, probieren Sie es doch einmal mit einem kühlen Topfenwickel. Auch Ölwickel sind gut.

 

Zuletzt noch ein paar Tricks und Tipps

Kalte Luft und Stimmleistung passen nicht gut zusammen, da die Stimmmuskulatur auch eine Betriebstemperatur braucht. Zu langes Reden und Singen im Freien sind deshalb zu vermeiden oder einzuschränken. Heißer Tee erwärmt ein wenig. Achtung: Vorsichtig schlürfen, damit Sie sich nicht die Zunge verbrennen. Wenn Sie viel Sprechen oder Singen vor sich haben, ist nun das Aufwärmen und Einsingen besonders wichtig. Achten Sie auch darauf, dass sie keine kalten Füße bekommen. Warmes Schuhwerk mit Thermoeinlagen beim Adventsingen sind ratsam. Kälteempfinden ist ein Signal: Vorsicht – Erkältungsgefahr! Schützen Sie sich im Freien vor Kälte und kalter Luft, besonders den Hals mit dem Kehlkopf! Damit „Mein Stimme singe, mein Stimme klinge“ wie es in einem alten deutschen Volkslied heißt, nicht nur zum Vergnügen der Zuhörer, sondern auch zu Ihrer persönlichen Freude wird.

 

 

Mag. art. Hannes Tropper
Stimmpädagoge, Sänger, Sprecherzieher, Austrian Voice Institute
Wittenbauerstraße 65
A-8010 Graz
Telefon: +43 (316) 466542
E-Mail: hannes.tropper@stimme.at

Bildquellen: ISLA

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